Expertentagung: Kompetente Patienten?

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„Kompetente Patienten?“

 

Expertentagung vom 13.- 14. November 2009, Frankfurt (Oder)

 

 

Hintergrund:

 

Im Februar 2009 fand auf Einladung von Frau Prof. Dr. Claudia Witt eine Expertentagung zur Beschreibung des Forschungsfeldes „Der gute Arzt“ statt. Die Anschluß-Tagung widmet sich nun dem Themenfeld Patientenkompetenz. Als Gegenüberstellung zum „Guten Arzt“ erschien „der gute Patient“ nicht geeignet. Zum einen gibt es den singulären normierbaren Patienten nicht, so dass es nur um die Bezeichnung „Patienten“ im Plural gehen kann, und zum anderen ist „gut“ eine für das Kranksein ungeeignete Zuschreibung. Aber auch der Titel „Kompetente Patienten?“ widerspricht den klassischen Vorstellungen vom unmündigen, überwiegend hilflosen und verwirrten Patienten und fordert somit heraus, Vorannahmen zu überdenken. Das Fragezeichen soll aber auch andeuten, dass im Diskurs um Patientenautonomie und Mündigkeit Patienten auch häufig allein gelassen und überfordert werden. Der Raum zwischen dem Bedürfnis nach Unterstützung und Hilfe zur Selbsthilfe einerseits und dem Recht auf informierte Entscheidung und Patientenautonomie anderseits soll mit dem Begriff der Kompetenz nachgegangen werden.

 

 

Fragestellungen:

 

Es geht um die Frage, 

 

- welche Informationen und Unterstützungen Patienten benötigen, um kompetent mit ihren Erkrankungen umgehen und informierte Entscheidungen treffen zu können

- welche Kompetenzen Patienten zum Teil entwickelt haben oder entwickeln können, um die Komplexität ihrer Erkrankung zu händeln – mit Hilfe oder auch trotz des Gesundheitswesens

- welche methodischen Zugänge und Möglichkeiten es gibt, um Patientenbedürfnisse wahrzunehmen

 

Die Tagung verfolgt verschiedene implizite Anliegen: Es geht um die Vernetzung des patientenorientierten Diskussionsstranges aus dem Umfeld der evidenzbasierten Medizin, der wissenschaftsorientierten Vertretern eines komplementärmedizinischen Verständnisses von Patientenorientierung und den verschiedenen Fassetten einer Kompetenz aus der Betroffenenperspektive

 

 

Methodik:

 

Der Ablauf entspricht dem des ersten Tagungsteils: TeilnehmerInnen und ImpulsgeberInnen sind gleichberechtigte TagungsteilnehmerInnen. Die Impulsreferate werden kommentiert von den Experten, als die die TeilnehmerInnen eingeladen worden sind. Es finden intensive Reflexionen in Kleingruppen statt. Die Gruppen- und Plenumsdiskussionen werden aufgezeichnet, transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet. Die Ergebnisse der Expertentagung werden in einem Konferenzband in Reaktion auf den ersten Band zum Thema „Der gute Arzt“ veröffentlicht. Folgenden Fragestellungen wird in den Impulsreferaten nachgegangen:

 

1. Welche Informationen und Unterstützungen benötigen Patienten, um kompetent mit ihren Erkrankungen umgehen und informierte Entscheidungen treffen zu können?

 

Prof. Dr. Ingrid Mühlhauser:

Patientenwissen verbessert Therapieergebnisse

    Gesundheitswissenschaften Hamburg

 

Dr. Sascha Köpke:

Informierte Entscheidung bei MS-Patienten

    Gesundheitswissenschaften Hamburg

 

Sylvia Groth:

Benötigen Frauen andere Kompetenzen?

    Frauengesundheitszentrum Graz/Österreich

 

Dr. Anna Paul

Steigerung der Patientenkompetenz durch Integrative Medizin

    Klinik für Naturheilkunde, Essen

 

 

2. Welche methodischen Zugänge und Möglichkeiten gibt es, um Patientenbedürfnisse wahrzunehmen? Welche Dimensionen müssen berücksichtigt werden? Wie kann Komplexität wahrnehmbar gemacht werden?

 

Dr. Fülöp Scheibler:

Was derzeitige Instrumente zur Erhebung von Patientenpreferencen (nicht) leisten

    IQWIG, Köln

 

Prof. Dr. Andreas Hanses:

Biographische Konstruktionen in der  Biographieforschung

    Universität Dresden

 

Prof.Dr.  Norbert Schmacke:

„Non-Compliance“ als notwendige Strategie zur Erhaltung der Lebensqualität von Patienten mit rheumatoider Arthritis?

    Arbeits- und Koordinierungsstelle Gesundheitsversorgungsforschung, Uni Bremen

 

 

3. Welche Kompetenzen haben Patienten entwickelt, um die Komplexität ihrer Erkrankung zu händeln – mit Hilfe oder auch ohne oder trotz Gesundheitswesen

 

Bernd Vielhaber:

Welche Kompetenzen benötigen Patienten mit HIV/Aids?

    Deutsche Aidshilfe, Gesundheitstrainings, Moderator der „Positiven Begegnungen“

 

Angelika Koppe:

Wildwuchs - Visualisierung als Methode zur Aktivierung von Selbstheilungskräften.

    hat sich selbst durch Visualisierungsübungen mit ihrer Endometriose-Erkrankung auseinander gesetzt und lehrt diese    Erfahrungen als Methode Wildwuchs

 

Gudrun Hamann:

Imaginative Körperpsychotherapie (IKP) als Methode der Steigerung

    Allgemeinmediziner und Psychotherapeut, Potsdam

 

Dr. Simone Meller:

Salutogenese durch Selbstverwirklichung

    Psychologin, Psychotherapeutin, Hamburg

 

 

Weitere  TeilnehmerInnen:

 

Prof. Dr. Hartmut Schröder, IntraG,

Dr. Michael Elies, Vorstandsvorsitzender der Karl- und Veronica Carstens-Stiftung

Prof. Dr. Claudia Witt, Charité, Berlin

Dr. Henning Albrecht, Carstens-Stiftung

Prof. Dr. Dr. Harald Walach

Dr. Marco Bischof, IntraG

Dr. med. Bożena Riedel-Baima, Dermatologin, Słubice, Polen

Simon Jakob Drees, Musikalisches Abendprogramm

 

 

Organisatorisches:

 

Veranstaltungszeit:

Freitag, 13. November 2009,  12.00 Uhr – 19.00 Uhr

Anschließend gemeinsames Abendessen und Konzert (Simon Jakob Drees)

Samstag, 14. November, 9.00 Uhr bis  17.00 Uhr 

 

Veranstaltungsort:

Collegium Polonicum,  Konferenzzentrum der Europa-Universität Viadrina in Slubice

 

Veranstalter:

Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG), Europa-Universität Viadrina, unter Leitung von Prof. Dr. H. Schröder in Kooperation mit der Carstens-Stiftung, Dr. Henning Albrecht und dem Lehrstuhl für Komplementäre Medizin, Berlin, Prof. Dr. Claudia Witt,

Tagungsleitung: Dr. Bettina Berger

Studentische Hilfskraft: Bartlomiej Kowalik